Margarete Bührer geb. Weiß
geboren am 2. Juli 1945
in Emmendingen
gestorben am 20. September 2026
in Freiburg
„Der Chor der Engel hat eine wundervolle neue Stimme gewonnen.
Sing da oben weiter, wo kein Schmerz dich mehr erreicht.“
Wir nehmen Abschied von Margarete Bührer,
einer starken Frau - eine Tochter, eine Enkelin, eine Schwester, eine Cousine, eine Ehefrau, eine Schwaegerin, eine Mutter, eine Gotti, eine Tante und für viele war sie eine Freundin und eine treue Seele.
Margarete wurde am 2. Juli 1945 in Emmendingen geboren. Ihr erster Ausflug mit Ihrer Mutter Frieda Weiss führte sie vom Emmendinger Krankenhaus mit einem Pritschenwagen Gespann über die Mundinger „Kinzge“ in den Eichbaum nach Mundingen.
Dort mussten sich der Fahrer, die junge Mutter mit Baby und das Pferd von der Sommerhitze erst einmal erholen. Diese Einkehr sollte später noch einmal eine ganz besondere Dimension erhalten.
Danach ging es weiter nach Landeck in die Hauptstr. 24, zu den Großeltern Katharina Elisabetha kurz Elies und Wilhelm Weiss, die Schwiegereltern von Frieda, wo die junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter eine besonders innige Beziehung, in der auch für sie fremden Großfamilie hegte.
1949 kam Fritz Weiss ihr Vater aus der Gefangenschaft aus Frankreich zurueck, erst ein Fremder in dem innigen 2-Gestirn dann geliebter Vater, somit war die Familie geeint.
1950 wurde ihre Schwester Rosemarie geboren und die 5-jährige Margarete wurde stolze große Schwester. Zwischen beiden ein Band, was ein Leben lang stark und fest über Höhen und Tiefen unzerbrechlich fest gewoben war und ist.
Margarete besuchte die Volksschule in Landeck bei Herrn Diebold, zusammen mit allen Landeckern, gefolgt von der „Landwirtschaftlichen Berufssschule für Mädchen“ in Emmendingen.
Die schulische Laufbahn nahm ihr Ende 1962, mit sehr guten Noten und einer Empfehlung zu weiterführenden Schulen. Dieser Empfehlung wurde allerdings nicht gefolgt, da die Familie mit Landwirtschaft in Landeck genügend Einsatzfelder sah und die Zukunft von Margarete dahingehend orientierte.
Trotz dem Einsatz in der familiären Landwirtschaft, tritt Margarete eine Stelle als Hausangestellte in Emmendingen an, gefolgt von einer Anstellung in der Kleiderfabrik in Emmendingen.
Margarete war überall zu Gange, auf der Arbeit, in der Landwirtschaft und wie ihre Mutter Frieda bediente sie auch im Landecker Café, bei Familie Haas. Damals beliebtes Ausflugsziel der Region und Zentraler Dreh-und Angelpunkt im Dorf.
Den Ausgleich zur harten Arbeit, fand Margarete im Gesang, sie tritt dem frisch gegründeten gemischten Chor „Sängerbund Landeck“ 1959 bei. Der Sängerbund Landeck war damals DIE Platfform für Jugendliche Landecker und Landeckerinnen und auch derer der Umlandgemeinden.
Dort wurden Feste gefeiert, Theater gespielt, Tanzabende und Ausflüge organisiert, kurz gesagt es war Die kulturelle community, die Gemeinschaft in der sich auch Kontakte knüpften, man sich näher kam und sich Jugendliche kennen und lieben lernten.
Somit kam nun Heinz Bührer, ein zugezogener aus Emmendingen, in ihr Leben und Margarete und Heinz kamen sich näher, verbrachten zunehmend Zeit miteinander und lernten sich lieben.
Am 13. Mai 1967 wurde das junge Paar in genau dieser Kirche von Pfarrer Claus getraut.
Das Paar baute sich ein Nest im Obergeschoss der Hauptstraße 24 in Landeck. Im März 1968 wurde ihr Sohn Michael geboren, dadurch wurde das Heim zum 4-Generationen-Haushalt mit Großmutter Elise, Eltern Fritz und Frieda, Schwester Rosemarie, Ehemann Heinz und Sohn Michael.
Schon bald entstand ein Bauprojekt auf dem Buck, das allerdings durch lange Genehmigungsverfahren erst 1982 mit viel Eigenleistung und Hilfe und Unterstützung von Familie und Landeckern umgesetzt werden konnte.
Die Familie Bührer zog 1983 in das lang ersehnte Heim, welches der Familie frohe Stunden und fröhliche Feste mit viel Musik und Gesang bereitete.
Margarete liebt den Kontakt mit Menschen, deshalb war sie lange Jahre Kellnerin oder wie man sagte Bedienung. Nach den Anfängen im Café in Landeck, viele Jahre in der Stadt Emmendingen, danach kurz in Kenzingen, und dann schliesß sich der Kreis, denn sie fing im Eichbaum in Mundingen, Ort ihrer ersten Einkehr an und arbeitete viele Jahre dort, gehörte praktisch zum Inventar.
Der Alltag von Margarete war bestimmt durch die Arbeit in der elterlichen und später eigenen Landwirtschaft, Abenden und Wochenenden beim Kellnern, hier fand sie Ausgleich und Abwechslung und auch Bestätigung. Margarete und Heinz übernahmen erst inoffiziell, danach ganz offiziell bis 2011, den Gemeinden- und Kirchendienst im Bürgerhaus in Landeck.
Trotz aller Verpflichtungen fand Margarete immer Zeit für Geselligkeit und Gesang, Sowohl im Sängerbund als auch dann seit der Gründung im Chor des Landfrauenvereins Köndringen-Teningen. Letzteren begleitete sie auch im Vorstand als Schriftführerin, zeigte dort viel Initiative und der von ihr organisierte Ausflug nach Berchtesgaden ist noch vielen in guter Erinnerung.
Berchtesgaden und vor allem die Ramsau, da zog es Margarete und Heinz jeden Sommer vor der Weinlese hin, das war ihre Auszeit, ihr gemeinsames Glück und auch der Ort an dem Freundschaften über Jahre hinweg gepflegt wurden.
Margaretes Leben war geprägt von Verantwortung, Hingabe und viel Arbeit.
Als ihr Vater Fritz pflegebedürftig wurde, unterstützte sie maßgeblich, die Pflege ihrer Mutter Frieda hat sie übernommen, bis dann auch ihr geliebter Heinz, nach einer Diagnose Lungenkrebs, auf ihre Pflege angewiesen war.
Geklagt hat Margarete selten, sie fand immer wieder Trost und Kraft im Gesang, im Sängerbund und bei den Landfrauen.
Trotz ihrer Fürsorge musste sie auch Heinz im Januar 2014 gehen lassen. Sohn Michael war in Frankreich, doch anstatt zu klagen, krempelte sei die Arme hoch, baute das Haus um, eine 2. und eine Dritte Ferienwohnung entstanden im Familienheim der Bührers. Feriengäste wurden immer herzlich willkommen geheißen, viele wurden zu Stammgästen odere sogar Freunden, die heute noch regelmäßig den Kontakt suchen.
Neu war nun, sie konnte reisen und wollte das Leben genießen, reiste zu Michael und Albino in die Normandie, zusammen mit Michael und Albino noch einmal in die Ramsau, mit Marianne nach Salzburg, und unzählige Ausflüge auch mit den Landfrauen und den Senioren.
Doch dann kamen Diagnosen wie - Vorhoffflimmern und somit täglicher Besuch des Pflegedienstes Olah & Platte, danach Rückenprobleme und Parkinson, ein Rollator wurde zum alltägliche unentbehrlichen Begleiter.
Ein Schlaganfall 2023, machte eine ständige Betreuung zu Hause notwending und schließlich ein Sturz mit Schulterbruch 2024 beendeten die Selbständigkeit im eigenen Haus in Landeck.
Ein neuer Abschnitt begann für Margarete im Seniorenzentrum Bruderhaus Diakonie in Teningen. Anstatt sich zu beklagen, hat sie sich eingebracht, hat sich noch bedürftigerer Mitbewohner angenommen, sich gekümmert und gesorgt, so wie sie es ständig getan hat.
Besuche von Landeckern und Landfrauen waren immer eine willkommene Abwechslung. Auch in diesem Lebensabschnitt gab es Konstante für sie, unerwartet und vom Himmel geschickt, ihre „Nichte“ Marianne, mehrmals pro Woche, mit Proviant und Leckerlies, ihre Schwester Rosemarie und Eugen zum Sonntagsbesuch, der monatliche Besuch von Michael, seit einem Jahr Ilona konstant jede Woche, besonders fürsorgliche Pflege- und SozialarbeiterInnen, jede Woche Krankengymnastik mit Frau Vollmer, Herr Schmied mit dem wöchentlichen Spaziergang... so gingen zwei Jahre dahin, mit freudigen Momenten auch wenn das Heimweh nach Landeck groß war. Das Heimweh nach dem eigenen Haus, der eigenen Küche, nach Kochen und Backen, eine Leidenschaft, die sie nur noch in Gedanken ausüben konnte.
Am 17. September war Herbstfest im Seniorenzentrum, mit Musik und Gesang dort schunkelte sie zu einem Walzer, auf die Frage: wenn sie könnte, würde sie jetzt sicherlich gerne Walzer tanzen, antwortete sie : „Sieht du es nicht, ich tanze diesen Walzer“.
So möchten wir Margarete Bührer in Erinnerung behalten, singend und tanzend, eine starke Frau die fest mit beiden Beinen im Leben stand. Dieses Herz und diese Beine waren müde von viel Arbeit... still und leise ist sie einfach gegangen...